23.03.22

Bericht aus dem Freiwilligendienst in Nowosibirsk

Hi, hier meldet sich die 19-jährige Cathrin Hammerschmidt aus Russland, die gerade einen Freiwilligendienst in Nowosibirsk macht. Anfang September, letzten Jahres bin ich mit zwei weiteren Freiwilligen nach Russland geflogen, während zwei weitere Freiwillige ein paar Tage vorher schon in St. Petersburg (Doppelstelle) ihren Dienst begonnen haben. Mein Dienst war in Nowosibirsk, Hauptstadt von Sibirien.

Da wir bereits alle fünf, aus Russland wieder aus unseren Diensten zurück sind, kann ich leider nur von sechs wunderbaren Monaten berichten. Der Grund für die plötzliche Rückkehr ist der Russland-Ukraine Konflikt und die Sicherheit von uns Freiwilligen.

https://www.kirchenbote.de/freiwillige-caritas-russland-krieg-ukraine-bistum-osnabrueck

In Nowosibirsk habe ich in einem Hostel gelebt, das auf dem gleichen Grundstück, wie das Mutter-Kindheim, ein KidsClub, das Büro der Caritas in Sibirien und die Kantine der Suppenküche befand. Dort hatte ich ein Zimmer, das extra für die Freiwilligen eingerichtet wird und hatte einen kleinen Balkon mit wunderschönem Blick auf den Fluss „Ob“ und wurde oft mit Sonnenstrahlen im Gesicht geweckt.

Meine Dienste waren sehr vielseitig und mein Tagesplan war immer voll. Meine Tätigkeit war die Mitarbeit in zwei KidsClubs, bei einer Suppenküche, in einem Mutterkindheim, bei pflegerischen Hausbesuchen und im Büro. Bei den sozialen Projekten ging es immer um benachteiligte Familien, Migranten oder körperliche Einschränkungen, z.B. durch Infarkte.

Für mich fing der Arbeitstag entweder um 10.00 oder 11.00 Uhr an und endete je nach dem, um 16.00 oder 17. 00 Uhr. Bei der Suppenküche war die wichtigste Arbeit von 13.00 – 15.00 Uhr, denn dort fand immer die Essensausgabe in der Kantine statt. Dort kamen ältere Bedürftige und haben zu Mittag immer warmes Essen bekommen.               

Zu Anfang war ich bei beiden KidsClubs, dann habe ich aus Personalmangel nur bei einem KidsClub mitgeholfen. Die Hauptaufgaben vor Ort waren hauptsächlich das Betreuen und Bespaßen der Kids. Kreative Bastelideen zu Feiertagen oder manchmal auch so habe ich kreative Impulse angeboten. Im Winter wurde dann viel Schlittschuh gelaufen und eine Schneerutsche gebaut. Das Essen für ca. 40 Kinder durfte ich auch ein paar Mal vorbereiten.

Im Mutterkindheim war ich mit Kleinkindern und Babys in einer „Grippe“, ein extra Raum im Heim für die Kleinkinder und Babys der Mütter, und habe auf sie dort aufgepasst, gefüttert und zum Schlafen gelegt, damit die Mütter ihre Besorgungen erledigen konnten oder das Mittagessen vorzubereiten. Des Weiteren habe ich mich dort viel mit Klamotten beschäftigt, die als Spende weitergegeben waren. Zum Schluss durfte ich noch ein Gespräch zwischen den Pädagogen und Psychologin miterleben, um einen tieferen Einblick in die Arbeit zu bekommen.

Die pflegerische Haushilfe durfte ich einmal die Woche bei einer Klientin absolvieren und habe ihr geholfen wieder auf die Beine zu kommen. Sie ist von Pflegern abhängig, denn sie kann weder stehen noch gehen und somit musste man mit ihr regelmäßig auf Toilette gehen, Haare oder Füße waschen. Unter anderem bin ich mit ihr Übungen durchgegangen, die zur Stabilisierung der Muskeln diente, damit der größte Wunsch, einmal wieder selbstständig auf den Beine zu stehen, in Erfüllung gehen kann.

Freizeitmäßig war ich sehr oft unterwegs. Habe bei Treffs mitgewirkt, ein Treff fand regelmäßig in der Kirchengemeinde statt, und war mit Freunden die Stadt erkunden. Unter der Woche wurde viel die russische Sprache gelernt, viele sportliche Aktivitäten gemacht oder einfach mal nichts, denn oft war ich nach der Arbeit schon ziemlich k.o.

Ein kurzes allgemeines Fazit zu meiner Dienststelle in Nowosibirsk:

Es hat mir sehr gefallen und ich wollte nicht einfach so zurück. Das Team und die ganze Arbeit hat eine enorme Stärke und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich durfte fast alles miterleben, wenn es mal schwierige Zeiten gab, habe ich mich nicht ausgeschlossen gefühlt. Es wurde immer viel gelacht und coole Erinnerungen gesammelt. Zum Schluss, besonders nach so einer kurzen Verabschiedung nur von meinen beiden Chefs, kann ich nur sagen, dass ich super dankbar für all diese Erfahrungen bin, Teil des Teams war und die wunderbaren Menschen, die eine besondere Warmherzigkeit weitergeben, kennenlernen durfte. Nicht zu vergessen ist, dass ich für die Begleitung von Ottmar Steffan und dem Team vom FDA genauso dankbar bin. Die Begleitung macht die schwierigen Zeiten, etwas einfacher und gibt erneuten Mut nicht einfach aufzugeben.

Nun erwartet mich ein Weg, denn ich noch nicht kenne und nutze die freie Zeit, die ganzen Geschehnisse zu verarbeiten.  

 

Ёлка“- Fest im KidsClub Narnia

Ein sehr wichtiges Fest in Russland und für Kinder immer wieder ein Highlight für die Winterzeit. Das Fest ist mittlerweile eine Mischung aus dem Weihnachts- und Neujahrsfest. „Ёлка“- heißt übersetzt „Tannenbaum“. Zu dem Feiertag gibt es eine Tradition, wo Väterchen Frost „Ded Moros“ und seine Enkelin Schneeflöckchen „Snegurotschka“ ein Reigen, um den Tannenbaum herum aufrufen. Dabei wird der Tannenbaum, mit einem traditionellen Lied geehrt. Das Lied ist ähnlich wie ‚O Tannenbaum‘ . 

 

Mein Ausblick aus dem Fenster, zur rechten Seite von Nowosibirsk